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Synonyme:
 | HiT |
 | HIT |
 | HAT (heparin-associated thrombocytopenia) |
Material:
 | Serum |
 | Citratplasma |
Methoden:
 | Enzymimmunoassay:
Autoantikörper gegen den Plättchenfaktor 4-Heparin-Komplex (PF4-Heparin-ELISA) |
 | funktionelle Tests:
 | Serotonin-Freisetzungs-Assay:
 | frisch isolierte mit
14C-Serotonin beladene Thrombozyten von gesunden Spendern |
 | Zugabe von Citratplasma von einem Patienten |
 | bei HiT II
→ PF4-Heparin-Autoantikörper-Komplex
induzieren eine Serotonin-Ausschüttung. |
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 | HIPA-Test (Heparin-induced
Platelet Activation):
 | die Aktivierung der frisch isolierten
Thrombozyten von gesunden Spendern durch den
PF4-Heparin-Autoantikörper-Komplex wird photometrisch gemessen |
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Norm:
 | Autoantikörper gegen den Plättchenfaktor
4-Heparin-Komplex: negativ |
 | funktionelle Tests: negativ |
Definition der HiT:
 | 3 Kriterien müssen erfüllt sein:
 | aktuelle oder kürzliche Heparin-Behandlung |
 | Es besteht eine klinische Manifestation (meistens:
Thrombozytopenie). |
 | Nachweis von Antikörpern gegen den Komplex aus Heparin und
Plättchenfaktor 4 |
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Hinweise:
 | Vor jeder Heparingabe muss die Thrombozytenzahl
als Ausgangswert bestimmt werden.
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 | der isolierte Nachweis von Autoantikörpern
ist allein nicht beweisend für eine HiT II
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 | Bis zum Beweis des Gegenteils muss
JEDER Thrombozytenabfall nach
Heparingabe auf weniger als 50 % des Ausgangswertes bzw. auf absolute
Werte < 100 Thrombozyten/nl als HiT II angesehen werden
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 | vor Diagnostik einer HiT II
Ausschluss einer EDTA-abhängigen
Pseudothrombozytopenie aus Citratblut!
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 | Patienten mit einer HiT II in der
Anamnese dürfen weder therapeutisch noch prophylaktisch mit Heparin
behandelt werden |
Epidemiologie:
 | Prävalenz der heparininduzierte Thrombozytopenie
 | bei Patienten mit unfraktioniertem Heparin
→ 5 % der
Fälle |
 | bei Patienten mit nieder-molekularem Heparin → 1 % der Fälle |
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 | Mortalität der HIT bei 20%, bei frühzeitiger Diagnose
und aktueller Therapie 6-7% |
Physiologie:
 | durch Heparin induziertes immunvermitteltes Syndrom
→ Autoantikörper gegen ein Komplex aus
Plättchenfaktor 4 und Heparin → Komplexe
binden an den IgG-Fc-Rezeptor der Thrombozyten → Thrombozytenaktivierung
→ Thrombozyten bilden prokoagulatorische Mikropartikel und
schütten erneut Thrombozytenproteine (PF4) aus, 2 Effekte:
 | → PF4 bindet und
neutralisiert freies Heparin |
 | → PF4 bindet Heparansulfat
(im Fuzzy Coat der Endothelzellmembran) →
Aktivierung von Endothelzellen →
Verstärkung der Thrombinbildung |
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 | Heparin-Neutralisierung und Thrombinbildung (s.o.)
→ Thrombozytopenie und mit thrombotischen
Ereignissen → lebensbedrohliche
Situationen, Verlust von Extremitäten, etc möglich.
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Genetik:
 | Ursache wahrscheinlich eine Punktmutation des IgG-Fc-Rezeptors
assoziiert mit einer verminderten Phagozytose des PF4-Heparin-Komplexes:
 | stärkere, rezeptor-vermittelte Aktivierung des Thrombozyten |
 | eine verminderte Eliminierung des PF4-Heparin-Komplexes
(vermehrte Bildung des Antigen-Autoantikörper-Komplexes) |
 | Gerinnungsgleichgewicht zugunsten der prokoagulatorischen Seite
verschoben |
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Klinik:
 | trotz niedriger Thrombozytenzahlen bei isolierter HiT
II selten Blutungen:
 | bei Patienten
mit schwerer Thrombozytopenie |
 | bei Septikämie |
 | bei urämische Thrombozytopathie. |
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 | paradoxe
Thrombosen (Thrombosen trotz niedriger
Thrombozytenzahlen):
 | Thrombosen können auch nach Absetzendes
Heparins unter sich wieder normalisierender Thrombozytenzahl entstehen |
 | überwiegend venöse, selten arterielle Thrombosen (Verhältnis
5:1) |
 | Lokalisationen:
 | tiefe Beinvenenthrombose |
 | Lungenembolie |
 | arterielle Thrombosen in den Extremitäten |
 | Myokardinfarkt |
 | Schlaganfall |
 | Sinus-Venen-Thrombose |
 | Mesenterialvenen und -arterien-Verschlüsse |
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 | Amputationen in 5-6% der Fälle notwendig |
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 | seltenere Manifestationen:
 | Heparin-induzierte Hautläsionen:
 | schmerzhafte lokale erythematöse Hautplaques |
 | Hautnekrosen im Bereich der Heparin-Injektionsstelle |
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 | hämorrhagische
Nebenniereninfarkte |
 | akute systemische Reaktionen |
 | arterielle und
venöse Thrombosen an ungewöhnlichen Lokalisationen |
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HIT Typ I |
HIT Typ II |
| Beginn |
 | Thrombozytenabfall in Frühphase einer Therapie
(erste 4 Tagen) |
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 | typischerweise zwischen dem
5. und 14. Tag der Heparingabe |
 | früherer Abfall von Thrombozyten bei mit Heparin
vorexponierten Patienten |
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| Thrombozytenabfall |
 | nicht progredient |
 | in den ersten ein bis zwei Tagen der Behandlung |
 | meist bei der Behandlung mit unfraktioniertem
Heparin (UFH) |
 | bei circa 25% der Patienten kommt es zu einem
geringen Abfall der Thrombozytenwerte (<30%) |
 | Abfall ist in aller Regel deutlich geringer als
50% des Ausgangs-wertes und nur selten Werte <100 Thrombozyten/nl |
 | Thrombopenie bildet sich auch unter Behandlung mit Heparin
zurück |
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 | Jeder Thrombozytenabfall auf weniger als 50% des
Ausgangswertes bzw. auf absolute Werte <100 Thrombozyten/nl muss -
in Abwesenheit von anderen Gründen einer Thrombozytopenie - solange
als HiT II angesehen werden, bis das Gegenteil
bewiesen ist. |
 | in weniger als 10% der Fälle Werte unter 20 Thrombozyten/nl |
 | bei 5 % der Betroffenen Werte <15 Thrombo-zyten/nl |
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| Thrombosen |
 | führt i.d.R. nicht zu Thrombosen |
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 | unter Thrombozytenabfall Gefäßverschluss bei
50-75% der Patienten |
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| Heparin-Therapie |
 | Fortführung unter
engmaschiger Kontrolle möglich |
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 | Heparin-Therapie umgehend einstellen |
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Differentialdiagnosen:
 | disseminierte intravasale
Verbrauchskoagulopathie (DIC) |
 | akuten Lungenembolie (massive
Thrombinbildung → Thrombozytenverbrauch) |
 | akute Autoimmunthrombozytopenie (siehe
Thrombozyten-Antikörper) |
 | medikamentinduzierte Thrombozytopenien |
 | durch Glykoprotein-IIb/IIIa-Inhibitor induzierte
Thrombozytopenie |
 | thrombotisch thrombozytopenische Purpura (TTP) |
 | unspezifischen Thrombozytenaktivierungen durch
Immunkomplexe |
 | Posttransfusionspurpura |
 | neonatale Alloimmunthrombozytopenie |
 | diabetischen Ketoazidose (hyperaggregable
Thrombozyten) |
 | bakterielle Endokarditis (septische Emboli) |
Therapie:
 | bei begründetem Verdacht auf HiT II muss Heparin
umgehend abgesetzt werden. |
 | bei weiter bestehender Indikation zur Antikoagulation
stehen folgende Präparate zur Verfügung:
 | Danaproid-Natrium (Orgaran®):
 | Heparinoid |
 | Kreuzreaktionen mit Heparin sind in seltenen
Fällen möglich! |
 | hemmt den
Faktor Xa und in geringem Ausmaß Thrombin |
 | engmaschige Überwachung der Thrombozyten! |
 | klinisch aufmerksam auf Thromb-Embolien unter
Therapie achten |
 | Halbwertszeit: ca. 25 h |
 | Bioverfügbarkeit beträgt
nahezu 100% |
 | Therapieüberwachung mittels
Faktor Xa-Aktivität |
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 | Lepirudin (Refludan®):
 | rekombinantes
Hirudin-Präparat |
 | direkter Thrombininhibitor |
 | Therapie: Bolus 0,4 mg/kg
KG, dann Dauerinfusion 0,15 mg/kg KG |
 | zu mehr als 90% renal
ausgeschieden (CAVE: Niereninsuffizienz!) |
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 | Marcumar:
 | CAVE:
Vitamin-K-Antagonisten können bei HIT-Patienten ebenfalls paradoxe
Thrombosen auslösen →
V.a. bei Therapiebeginn vorübergehenden Steigerung des prokoagulatorischen Potentials
(u.a. Protein C-Mangel) |
 | Therapie erst nach Normalisierung der Thrombozyten
möglich |
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Siehe auch:
Referenz:
 | Greinacher, Andreas: Heparininduzierte
Thrombozytopenie; Dtsch Arztebl 2003; 100(34-35): A-2220 / B-1850 /
C-1753 |
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